Modellbahnfotografie

Der Bau meiner Modellbahn ist für mich eine sehr gute Gelegenheit auch mein weiteres Hobby, die Fotografie, wieder aufzunehmen.

In der Bauphase der MoBa gibt es zwar zu Beginn noch keine fertigen Landschaften oder ausgestalteten Szenen, aber auch die Dokumentation des Unterbaus, der Verkabelung oder des Gleisbaus sind wichtige Aspekte. Gerne schaue ich mir jetzt diese Bilder vom Rohbau an.

Der wirkliche Spaß an der Modellbahnfotografie beginnt dann aber natürlich mit der Fertigstellung einzelner Bereiche und damit geeigneter Fotospots.

In diesem Artikel möchte ich ein paar Aspekte, Erfahrungen und natürlich Beispielbilder meiner Anlage aufzeigen.

Beleuchtung

Da meine Modellbahn klassisch im Keller steht, ist mir die Chance auf Sonnenlicht verwehrt. Also geht es darum mit Kunstlicht eine möglichst natürliche Atmosphäre zu schaffen.

In den Anfängen meiner Bastelei habe ich dafür auf Halogenlampen aus dem Baumarkt zurückgegriffen. Um den Kellerraum von ca. 14 qm auszuleuchten, mussten über 1000W her, die aber auch zu ordentlich Wärmeentwicklung führten. Das Licht der Halogenlampen hat einen sehr warmen Farbton, was auf den Bilder nach einer Abendstimmung aussieht. Die Echtheit der Farbwiedergabe ist dem entsprechend nicht besonders hoch.

Inzwischen habe ich auf insgesamt 6 Leuchtstoffröhren a 18 Watt umgestellt, die eine Farbtemperatur von 4000 K haben. Gerade das Wissen um die konkrete Farbtemperatur hat es mit ermöglicht, den Weißabgleich an der Kamera exakt einzustellen und damit eine ziemlich realistische Farbwiedergabe zu erreichen.

Heute würde ich wohl auf die Beleuchtung mit LED zurückgreifen, die ein nahezu optimales Licht erzeugen und so langsam recht preiswert geworden sind.

Die bislang angesprochene Beleuchtung erhellt die Szene meist nur von oben oder schräg oben. Das entspricht vielleicht am besten der Mittagssonne, lässt aber einzelne Bereiche der abzulichtenden Motive leider im Dunkeln. Dazu zählen insbesondere die Fahrwerke der schönen Modelle.

Um hier noch mehr aus der Szene heraus zu holen, verwende ich einen zusätzlichen Spot in Form einer kleinen LED-Lichtleiste mit der selben Farbtemperatur wie die Deckenbeleuchtung. Die Lichtleiste halte ich beim Fotografieren direkt in der Hand und kann sie so optimal an der Szene und dem Motiv ausrichten.

Fotostandort

Beim Bau meiner Anlage habe ich darauf geachtet, von möglichst vielen Seiten an die Anlage heran zu kommen. Das erleichtert zunächst das Basteln und später die Wartung. Und natürlich die Fotografie! So kann ich von sehr unterschiedlichen Standorten Fotos meiner Modellbahn schießen, wenngleich die Aufstellung des Stativs an der ein oder anderen Stelle recht sportlich ist. Da bleibt dann kam noch genug Platz, um noch durch den Sucher zu schauen.

Für eine realistische Perspektive begebe ich mich gern auf die Höhe der Preiserleins. Damit richtet sich der Blick auf die betreffende Szene aus eben der Perspektive, die ein Bewohner meiner Landschaft Wolkingen hat.

Auf dem Mühlenberg

Auf dem Mühlenberg

Bildgestaltung

In der Fotografie gibt es ein paar grundlegende Regeln bzw. Tipps, die einem bei der Bildgestaltung auch der Modellbahnfotografie unterstützen. Wie immer handelt es sich dabei nur Hinweise zu besseren Gestaltung und sollten nicht dogmatisch eingehalten werden.

Der goldene Schnitt oder auch die Drittelregel teilt jedes Bild in der horizontalen und auch in der vertikalen in Drittel. Stellt man sich dies als auf das Bild gemalte Linien vor, so ergeben sich zusätzlich vier Schnittpunkte. Ziel der Regel ist es nun, die Hauptmotive an eben diesen Linien und Schnittpunkten auszurichten. Das bedeutet im Prinzip, dass man ein Motiv nicht zentral in der Bildmitte platzieren sollte, sondern dieses etwas aus der Mitte herausführt. Im Ergebnis ergibt auch dann ein für das Auge harmonisches Bild.

Modellbahnfotografie - Drittelregel

Ein weiterer Tipp bezieht sich auf die Lese- bzw. Blickrichtung: Wir sind es gewohnt, Texte von links nach rechts zu erfassen. Dieses Muster wenden wir ganz unbewusst auch beim Betrachten von Bildern an. Wir schauen von links nach rechts. Am besten folgt der Bildaufbau auch diesem Muster, so dass der Blick von einem einrahmenden Bildelement auf der linken Seite zu dem eigentlich Motiv auf der rechten Seite geleitet wird.

Warten auf den Zug

Warten auf den Zug

Belichtung

Die Bedingungen auf der Modellbahn sind für eine gewöhnliche Kamera und deren Belichtungsautomatik oft nicht optimal und so ergeben sich leicht über oder unterbelichtete Bilder. Um dem entgegen zu wirken, schaue ich mir die Bilder immer direkt auf dem Display der Kamera an und verwende dabei das Histogramm, auf dem man die Verteilung über den gesamten Bereich von Dunkel bis hell sieht. Fehlen zu viele helle Bereiche oder ballt sich alles ganz rechts im Hellen, so lässt sich dies später nur unzureichend in der Bildbearbeitungssoftware ausgleichen.

Niko D80

Nikon D80

Schärfentiefe

Bei der Darstellung der Modellbahn auf Fotos versucht man in der Regel das geschaffene so darzustellen, dass alle Details erkennbar sind. Ist dies das Ziel, so ist eine möglichst hohe Schärfentiefe gewünscht. Diese erreicht man, in dem die Blende maximal geschlossen und der Blendenwert entsprechend hoch ist. Besonders hoch ist zudem die Schärfentiefe bei kleiner Brennweite und damit einhergehend geringem Abbildungsmaßstab.

Bei geschlossener Blende erhöht sich natürlich die Belichtungszeit deutlich und ein Fotografieren aus der Hand ist nicht mehr möglich. Mit einem Stativ und zusätzlich einem Fernauslöser ist dennoch ein verwacklungsfreies Fotografieren möglich. Um letzte Vibrationen auszuschalten, kann vor dem Auslösen der Spiegel der Spiegelreflexkamera hochgeklappt werden, worauf ich aber bislang immer verzichtet habe. Bei Objektiven mit Bildstabilisator sollte dieser ausgeschaltet werden, da er schlicht nicht benötigt wird und nur für zusätzliche Bewegung sorgen könnte.

Aber nicht immer soll der Blick auf alle möglichen Details gelenkt werden, sondern ein Motiv hervorgehoben werden. Durch die Begrenzung der Schärfentiefe lässt sich dann das Motiv vom Vordergrund und Hintergrund freistellen. Insbesondere der Hintergrund verschwimmt dabei in einer schönen Unschärfe.

Makrofotografie-02

Für das gezeigte Bild habe ich ein Sigma Makroobjektiv mit der Brennweite 105 mm verwendet bei Blende F/8. Die Kühe im hinteren Unterstand und die Fassade des Lokschuppens rücken auch optisch in den Hintergrund der Szene.

Bildbearbeitung

Mit den verfügbaren Bildbearbeitungsprogrammen können die geschossenen Bilder nochmals in Ihrer Qualität gesteigert werden, in dem kleinere Fehler in der Wahl des Bildausschnitts und der Belichtung korrigiert werden. Grundsatz muss aber immer sein, die Qualität des Bildes direkt bei der Aufnahme zu erzeugen.

Ich verwende das GNU IMAGE MANIPULATION PROGRAM, kurz GIMP: www.gimp.org/

Bei der Bildbearbeitung beschränke ich mich meist auf die Anpassung des Bildausschnitts und eine leichte Korrektur der Farbwerte. Im Dialog ‚Farbwerte anpassen‘ steht dafür die Funktion ‚Atomatisch‘ zur Verfügung. Da diese aber die Farben der künstlichen Modellbahnwelt nicht immer zum Besseren korrigiert, lege ich lieber selbst Hand an: Wenn die Quellwerte nicht das volle Spektrum abdecken, passe ich den oberen und unteren Grenzwert an, wodurch sich ein höherer Dynamikumfang ergibt. Wenn dann Helligkeit und Kontrast noch nicht meinen Vorstellungen entsprechen, passe ich diese nach Gefühl an.

RAW-Dateien entwickeln

Nicht immer reicht der eben beschriebene Dynamikumfang aus, um alle Bereiche des Bildes optimal darstellen zu können. Bei meinem hellblauen Himmel kommt es auf den Fotos oft zu sog. ausgebrannten Stellen, die dann nurnoch weiß leuchten und jegliches Blau verloren haben. Und dann sind da noch die dunklen Partieen, in denen oft die gewünschte Zeichnung fehlt. Besonders bei Dampfloks ist das gut zu erkennen.

JPG mit ausgebrannten Lichtern und beschnittenen Tiefen

JPG mit ausgebrannten Lichtern und beschnittenen Tiefen

Zunächst hatte ich zur Problemlösung Programme zur Erzeugung von HDR-Bildern probiert. Diese liefern aus drei unterschiedlich belichteten Bildern ein ‚best of‘ und damit schon gute Ergebnisse.

Letztendlich bin ich aber bei der Fotografie im RAW-Format gelandet: Die Bilder werden in der Kamera nicht sofort entwickelt und in JPG-Format abgespeichert, sondern die Rohdaten der Bildes im Kameraeigenen NEF-Format (Nikon) abgelegt. Dieses Format beinhaltet noch alle Ursprungsdaten, die dann aber in einer speziellen Bildbearbeitungssoftware entwickelt werden müssen.

Für meine Nikon D80 bietet der Hersteller kostenlos das Programm Capture NX-D an, mit dem die Bildparameter komfortabel bearbeitet werden:

Schritt 1: Beschneiden und Ausrichten

Den Bildausschnitt passe ich gern noch ein wenig nachträglich an, um den Blick nicht auf unwichtige Details am Rand schweifen zu lassen. Und gerade bekomme die die Bilder meist nicht auf Anhieb hin. Das Ausrichten geht in der Software sehr einfach, in dem eine senkrechte Linie gesucht wird und diese mit dem Werkzeug definiert wird. Und schon ist das Bild gerade.

Schritt 2: Belichtung korrigieren

Hier mache ich meist nichts, weil dies schon beim Fotografieren beachtet werden sollte. Manch einmal ist hier aber auch noch nachzubessern.

Schritt 3: Lichter und Schatten

Hier kommt nun der wichtigste Teil: Der Hintergrund wird wieder blau, wenn ich die Lichter stark erhöhe. Und die dunklen Teile werden durch die Erhöhung der Tiefen wieder sichtbar. Aber übertreiben sollte man es nicht, weil sonst ein künstliches Bild entstehen kann.

Capture NX-D: Lichter und Schatten

Capture NX-D: Lichter und Schatten

Schritt 4: Sättigung

Die Farben auf der MoBa neigen manchmal dazu, zu künstlich auszusehen. Wenn dann noch viel Licht dazu kommt, leuchten die Farben übertrieben. Mit einem moderaten Reduzieren der Sättigung, erreicht man ein realistischeres Aussehen.

Capture NX-D: Anpassung Sättigung

Capture NX-D: Anpassung Sättigung

Schritt 5: Scharfzeichnen

Bei RAW-Dateien sind noch nicht scharf gezeichnet und so muss man den Grad des Scharfzeichnens noch auswählen.

Fertig

RAW entwickelt

RAW entwickelt

Fotos für’s Web vorbereiten

Die Auflösung der Bilder belasse ich gern in der ursprünglichen Höhe. Für eine Verwendung auf meiner Homepage oder in Foren muss die Auflösung aber auf maximal 1024 Pixel an der langen Seite reduziert werden. Zusätzlich bringe ich gern noch ein Wasserzeichen ‚www.wolkingen.de‘ im Bild an.

Eine komfortable Lösung hierfür bietet die Software IrfanView. In der Funktion Batch (einfach b drücken) wird eine ausgewählte Menge von Bilddateien in einem Rutsch in der Größe skaliert, ein Wasserzeichen angebracht, mit einem angepassten Dateinamen gespeichert und vieles mehr.

IrfanView - Batchverarbeitung

IrfanView – Batchverarbeitung

Kameraausrüstung

Viele der beschriebenen Techniken lassen sich sehr gut mit einer Kompaktkamera im manuellen Modus anwenden. Noch mehr Möglichkeiten und optische Qualität bieten digitale Spiegelreflexkameras. Dabei ist in meinen Augen die Anzahl der Megapixel nicht das primäre Kriterium für einen hohe Bildqualität, sondern die Objektivqualität. Und dabei muss es nicht das Zoom mit dem größten Brennweitenbereich sein, sondern auch gern mal eine gute Festbrennweite.

Ich fotografiere mit einer Nikon D80 und diesen Objektiven:

  • Sigma 105 mm 1:2.8 DG Macro HSM (1:1)
  • Nikon DX AF-S NIKKOR 18 – 70 mm
  • Tamron AF 70 – 300 mm 1:4-5.6 Tele-Marco (1:2)
Fotosession

Fotosession

Fazit

Fotografieren der eigenen Modellbahn ist ein wunderbares Hobby im Hobby!

Und: Fotos der Anlage zeigen einem immer wieder Details, die man unbedingt noch nacharbeiten muss.

Aber darin liegt für mich auch gerade der Reiz, das Geschaffene immer weiter zu verbessern und weiter auszugestalten.

Am Mühlenberg

Am Mühlenberg